Erste Beobachtungen aus der Pilotphase - vorgestellt auf dem Deutschen Suchtkongress 2026

Von Mai bis August 2026 haben wir untersucht, wofür Fachkräfte einen KI-gestützten Reflexionsraum nutzen, wenn ihnen keine Fälle oder Nutzungsszenarien vorgegeben werden. Erste Beobachtungen wurden am 23. September 2026 in Hamburg auf dem Deutschen Suchtkongress vorgestellt und zur Diskussion gestellt.

Deutscher Suchtkongress 2026

Von links: Christian Lorenz, Wiebke Lorenz, Johannes Senesi, Carolin Schürmann und Dolf Schäffel beim Deutschen Suchtkongress 2026 im Rahmen des Symposiums „Integrative Suchtbehandlung im Wandel“

Professionelle Versorgung endet nicht mit dem Gespräch.


Manche Situationen brauchen einen zweiten Blick.

Integrative
Suchtbehandlung im
Wandel

Der Reflexionsraum war Teil des Symposiums “Integrative Suchtbehandlung im Wandel". Gemeinsam mit Dr. Christian Lorenz von der Forel Klinik und Johannes Senesi von den Psychiatrischen Diensten Aargau (PDAG) wurden Bruchstellen in der Versorgung aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet - von Peer-Assistance und integrativer Suchtherapie über Intensive Case Management bis zur Frage, welche Rolle ein KI-gestützter Reflexionsraum für Fachkräfte übernehmen kann.

Welche Rolle kann KI in professionellen Reflexionsprozessen sinnvoll übernehmen?

Die Antwort sollte ausdrücklich nicht lauten: menschliche Supervision, kollegialen Austausch oder professionelle Urteilskraft ersetzen. Uns interessierte die Lücke dazwischen - der Moment, in dem ein Gegenüber die Reflexion unterstützen könnte, aber gerade niemand zur Verfügung steht.


Wir haben nicht vorgegeben, worüber gesprochen werden soll.

Die Fachkräfte entschieden selbst, welche Themen sie mit dem Reflexionsraum besprechen. Die Pilotphase war explorativ, qualitativ und naturalistisch. Die Beobachtungen dienen der Hypothesenbildung, nicht dem Wirksamkeitsnachweis.

Gesprächs-Transkripte insgesamt

40

systematisch codiert und analysiert

35

Berufsfelder*

8

strukturierte Feedbacks

15

* Ambulante Suchtberatung, Stationäre Suchttherapie / Klinik, Psychotherapie, Traumafachberatung / Jugendhilfe, Betriebliche Suchthilfe, Altenpflege / stationäre Pflege, Peer-Arbeit / Erfahrungsexpertise, Mediziner:innen anderer Fachrichtungen

Zentrale Themen in den Gesprächen

Fallreflexionen
(Konkreter Fall, Beziehungsdynamik, nächste Schritte)

57 %

Methodenfragen
“Wie setze ich Motivational Interviewing in diesem Fall ein?"

17 %

Emotionale Verarbeitung
“Das Gespräch beschäftigt mich noch."

11 %

Systemfragen
z. B. Strukturen, Zusammenarbeit, Rollen im Team

9 %

Grenztests
“Kann ich mit dir auch über etwas Privates sprechen?”

6 %

Wie sich die Gespräche entwickelten

Aus einer Frage kann Sparring werden.

der Gespräche entwickelten sich zu einem dialogischen Sparring.

80 %

Die Fachkräfte blieben also nicht bei einer einzelnen Frage oder einer schnellen Antwort. Sie präzisierten Situationen, prüften eigene Einschätzungen und entwickelten im Gespräch neue Perspektiven.

Worüber gesprochen wurde

Auch über das, worüber professionell nicht immer leicht zu sprechen ist.

der Gespräche enthielten sensible Themen.

74 %

Dazu gehörten eigene Unsicherkeit, emotionale Reaktionen oder schwierige Bewertungen einer Situation. Warum diese Offenheit entsteht, lässt sich aus dem Pilot nicht beantworten. Genau das wollen wir weiter untersuchen.

Wann Reflexion stattfand

Reflexionsbedarf hält sich nicht an Termine.

der Gespräche fanden nach 20 Uhr statt.

72 %

Die Beobachtung sagt noch nichts darüber aus warum Fachkräfte gerade zu dieser Zeit den Reflexionsraum nutzen. Sie verweist aber auf eine praktische Frage: Was passiert mit Reflexionsbedarf in den Momenten in denen kollenialer Austausch oder Supervision gerade nicht verfügbar sind?

Probieren Sie den Reflexionsraum aus und machen Sie sich in Ruhe ein eigenes Bild.

Den Reflexionsraum selbst erleben